Sonntag, 6. Februar 2011
Punkt Punkt Komma Klar
Punkt Eins: Öffentliches Konzert zur ersten Nacht des Sydney Festival.
Auf der Straße stehen, sitzen und tanzen zu Aboriginal-HipHop und Afrikanischer Rock/Pop-Musik. Sehr spaßig und gegen Ende des Abends wurde es auch immer voller, nach einer Weile wurden meine Knie nur etwas schwach, da ich morgens mit vollgepackten Rucksack und schweren Tüten zum Hostel gelatscht war, während Gabriel seinen White Card-Lehrgang machte, um als Bauarbeiter arbeiten zu können.
Punkt Zwei: Sydney Sightseeing
Mit rotem Doppeldeckerbus, in dem man ein- und aussteigen konnte, wie man Lust hatte.
Damit haben wir alle Sehenswürdigkeiten abgeklappert, sind durch die Gegend geschättert und haben am berühmten Opera House ein bis zwei witzige Bands angehört.
Punkt Drei: Ich habe mich tätowieren lassen, oh oh.
Mutti hat mich bis jetzt noch nicht enterbt, deswegen könnt ihr es auch ok finden. War ganz witzig im Tattoostudio, vor mir war da ein großer dicker Mann, der sich den Bauch mit einem indianischen Muster tätowieren lies. 4 Stunden saß der da und ist immer noch nicht fertig. Die Tätowierer haben sich gefreut, was für ein schnuckeliges Motiv ich mir vorher schon ausgesucht hatte und ich war stolz wie bolle. Die Idee dazu hatte ich schon ein paar Jahre lang, nicht dass ihr jetzt denkt, dass das so eine fixe, undurchdachte Handlung war. Aber ich muss mich gar nicht rechtfertigen, ich bin schon groß, ich finds gut, Papa findets gut. Das ist das Wichtigste.
Punkt Vier: Australia Day am 26.Januar (Achtung, nennen einige auch Invasion Day, wegen der Aborigines und so, also nichts mit „Tag der australischen Einheit“)
Die Australier drehen da durch wie Deutsche bei der WM, wenn Deutschland gerade einen guten Lauf hat. Alle mit Australia-Shirts und -Basecaps und -Badeshorts und -Flaggen und allem Pipapo.
In der ganzen Innenstadt gab es kostenlose Konzerte, Menschen saßen im Gras und tanzten im Freien und wir mittendrin. Abends ein großes Feuerwerk mit Musik und Segelbooten, die im Kreis rumfuhren und ihre Segel bunt beleuchtet haben. Ein Späßchen.
Punkt Fünf kommt sofort. Sven, Gabriel und ich machen uns auf in die Innenstadt zum Chinese New Year Festival. Nach meiner stichprobenartigen statistischen Überpfrüfung ist mindestens die Hälfte der Bevölkerung von Sydneys Innenstadt Asiaten. Und es sind auch immer Asiaten, die einem im Weg rumstehen. Wirklich. Gabriel sagt, ich spinne. Aber stimmt nicht. Mir stand hier noch nie ein Nicht-Asiate im Weg.
Und Punkt Sechs: wir bekommen Zuwachs. (Nein, ich bin immernoch nicht schwanger.)
Am Mittwoch kommt Hendrik und reist dann mit uns. Ist nicht immer so ein netter wie Gabriel, aber sein Abi ist besser. Ist also ok. Mama mochte den auch mal, glaube ich.
PS: Vielleicht schreibe ich noch was zum Tattoo, was das so soll und so und dann könnt ihr auch mal gucken, wie es aussieht. Jetzt aber los.
Prinzessin von und zu Sydney (und Umland)
Nach unserem rasanten Flucht-Roadtrip und Silvester in der Wildnis kamen wir in der ersten Januarwoche im Großraum Sydney an und besuchten Tom, einen Bekannten von Gabriels Vater. Tom sieht aus wie der Weihnachtsmann und weiß ungefähr alles und war auch schon überall. Er lebt mit seiner Frau Robin – beide ehemalige Lehrer – und ihrem Sohn Kim und dessen Frau Koy aus Thailand in einem Haus mit viel Grün drum herum in einem Vorort von Sydney – eine Stunde Zugfahrt bis zum Zentrum.
Am ersten Abend wurden wir mit einer kleinen Familiengrillfeier begrüßt, zu der auch die bereits ausgezogene Tochter Jessy und deren Freund kamen. Der hat vor kurzem ein Musikvideo für den britischen Popstar Will Young gedreht. (Könnt ihr ja mal googlen, wenn ihr mögt.) Der hat ihn aber immernoch nicht bezahlt. Stellt euch das mal vor.
Am nächsten Tag fuhren Tom und Robin mit uns durch Nationalparks zu verschiedenen Aussichtspunkten rund um Sydney, sodass wir aus der Ferne schon mal einen Blick auf Sydney Harbour und den berühmten Bondi Beach werfen konnten. Ohne dass wir vorher etwas abgesprochen hatten, wohnten wir insgesamt etwa eine Woche kostenlos bei Tom und wurden super verpflegt. Angenehm, mal wieder in einem richtigen Bett zu schlafen.
Tom versuchte auch uns bestmöglich bei der Jobsuche zu unterstützen. Wir durchforsteten mehrere Internetseiten und Zeitungsannoncen und stellten fest, das Kellnerinnen bzw. Barpersonal am meisten gesucht wurde, also meldete ich mich für einen Responsible Service of Alcohol Kurs (kurz RSA) an, RSA Zertifikate sind nämlich für Personal vorgeschrieben, wenn eine Lokalität Alkohol ausschenkt.
Der sechsstündige Kurs war dem Umständen entsprechend sogar fast witzig. Der Tutor ist im Hotelgeschäft aufgewachsen und nun Besitzer einiger Bars und Pubs und plauderte allerhand von seinen Berufserfahrungen, um die von der Regierung angeordneten sechs Stunden rumzukriegen. Natürlich haben wir auch inhaltlich etwas neues gelernt, wobei man den Großteil der Testfragen auch mit gesundem Menschenverstand und Schulwissen beantworten konnte. Es ist noch nie jemand durch diesen Test gefallen, bei dem man auch sein „Lehrbuch“ zur Hilfe nehmen darf. Aber ich muss ehrlich sagen, dass der Kurs lehrreich war und man danach anders über seinen Alkoholkonsum nachdenkt. Betrunken heißt auf Englisch „Intoxicated“, was man auch als „vergiftet“ übersetzen kann. Jaha, da denkt mal drüber nach, Freunde!
Australien geht da ganz gut mit „intoxicated people“ um, finde ich. Sobald das Personal merkt, dass ein Gast betrunken oder angetrunken ist, darf er nicht mehr Alkohol serviert bekommen und muss aus dem Lokal verwiesen werden. Ohne Wenn und Aber.
Mit dem Zertifikat und Lebenslauf in der Hand bin ich dann mehrere Tage lang durch die Straßen gelaufen und habe mich bei verschiedenen Bars und Restaurants beworben. Mittlerweile hatten wir in ein Hostel im Viertel Newtown eingecheckt – nur zehn Minuten mit der Bahn bis zum Zentrum. Die Bewerbungen waren auch nach zwei Wochen erfolglos, was mich nicht abhielt Newtown ganz und gar wunderbar zu finden. Hier gibt es alles, was das Herz begehrt: viele junge Menschen, die alle ein bisschen anders sind und aussehen, als ob sie einen kleinen, witzigen Knacks haben, sich die Haare kunterbunt färben und sich für die schönen Künste interessieren und viele kleine tolle Secondhand-, Musik-, Mode-, Buch- und Kunstläden zwischen all den Cafés und Restaurants. Am Wochenende gibt es einen Flohmarkt ohne Plunder dafür mit echten brauchbaren Schätzen. Abseits der Hauptstraße – der King St – gibt es Parks und schmale Straßen von kleinen Häuschen mit Balkonen mit schnuckeligen, schnörkeligen Verzierungen an den Geländern. In der Hitze stehen die Haustüren offen und man kann bis ins Grüne im Hinterhof gucken. Ihr merkt, ich bin ein bisschen verliebt.
Die Leute im Hostel sind nett und witzig.(JAA! Der Schulaufsatz-Stil bleibt!) Die Jungs an der Rezeption kennen mich mit Namen und sind sehr hilfsbereit. Die meisten Gäste sind schon mehrere Wochen hier, weil sie arbeiten oder weil es hier einfach so schön ist. Ein Großteil der Gäste sind Deutsche, dann gibt es natürlich Franzosen sowie Engländer, Australier, Holländer, Italiener, Neuseeländer, eine Schweizerin, eine Kanadierin und den Iren Stuart, den aufgrund seines schönen Akzentes alle nur „Stööört“ nennen. (Nicht weil er stört, sondern weil er das so ausspricht.)
Gabriel und ich wohnen in einen Sechser-Zimmer, wo außer mir nur Jungs schlafen. Der Neuseeländer Mike wohnt hier schon seit mehreren Monaten, hat das Zimmer mit Postern dekoriert und arbeitet in der Spätschicht als Gabelstablerfahrer. Neuerdings redet er nicht mehr mit uns, weil wir vermutlich mit Sven unter einer Decke stecken. Sven wohnt auch bei uns im Zimmer, ist 29 und kommt aus Paderborn – ein Spaßvogel. Sein Fehler, er hat mit einem Mädchen gesprochen, in das Mike verliebt ist, nachdem er sich einmal mit ihr unterhalten hat. Tja, wo die Liebe hinfällt, da wächst kein Gras mehr. Oder so.
Vor ein paar Tagen ist der Franzose, der im Bett über mir schlief, ausgezogen. Wurde auch langsam Zeit, wenn ihr mich fragt. Der war nämlich ein komischer Kauz, davon konnte ich im Laufe der Zeit auch alle anderen Zimmerbewohner überzeugen. Frenchie hat nämlich nachts ganz laut rumgepupst und im Bett rumgewackelt und nicht auf mein „Salut!“ geantwortet. Da kenn ich nichts.
Heute morgen ist Zimmerliebling JD ausgezogen. JD ist kurz für einen indischen Namen, den er uns nicht verraten hat, viel zu kompliziert. Alle nennen ihn einfach JD. Seine Familie kommt aus Pakistan, er ist in Indien geboren und in Dubai aufgewachsen und bezeichnet sich als Australier. Hier lebt er nämlich schon seit ein paar Jahren und arbeitet als Studiotechniker in verschiedenen Musikstudios, früher in Byron Bay und zur Zeit macht er ein Praktikum in Sydney. Nach mehreren Wochen auf Wohnungssuche hat er nun ein Apartment gefunden, wo er ein Zimmer ganz für sich hat.
Heute sind zwei neue Jungs eingezogen, ein Deutscher und ein Asiate, der ein Auge auf Sven geworfen hat. Schon eine spaßige Angelegenheit, mit fünf Jungs zusammen zu wohnen. Nur nicht, wenn die rumpupsen und das durch den Ventilator an der Decke im ganzen Raum verteilt wird. Und scheinbar hat Mike auch ein Problem, wie lange ich dusche. Seine einzigen Worte zu mir waren nämlich „You're quite a princess, aren't you?“ als ich aus dem Bad kam und er fix hineingehuscht ist. Sollte vermutlich böse sein. Stört mich gar nicht. Bin ich halt ne Prinzessin. Tsss.
(Hier ist jetzt mal eine Zäsur [ooho, Fremdwort], weil ich memorieren muss, was noch so passiert ist. Ihr könnt euch ja mal einen Kaffee holen oder eine Toilettenpause machen)
Freitag, 14. Januar 2011
Zwischen den Jahren, Kapitel 2
Die erste Etappe war verhältnismäßig kurz. Es regnete ununterbrochen und so hielten wir vor Einbruch der Dunkelheit im kleinen Küstenkaff Cardwell, unmittelbar vor dem ersten kritischen Punkt der Strecke, den wir nicht nachts passieren wollten.
Laut Internetauskunft war die vor uns liegende Straßenabschnitt sowieso gesperrt und so parkten wir auf einem scheinbar fast verlassenen Campingplatz ca 200 Kilometer südlich von Cairns.
Gabriel musste mehrmals klingeln, bis der Besitzer erschien und uns freundlich einwies. Die Küche sie etwas unaufgeräumt, da gerade keine anderen Gäste da wären. Hätte mich auch gewundert – bei dem Regen.
Er gab uns den Tipp, dass der Wasserstand morgens am Niedrigsten sei, sodass dann die Straße womöglich geöffnet sein würde.
Bei Tortilla, Bratwurst und Solo, unserer australischen Lieblingslimonade, schauten wir in der verlassenen Küche zum ersten Mal seit Monaten Fernsehen. Es lief eine Weihnachtsfolge der Simpsons und wir stellten fest, dass es tatsächlich schon Heiligabend war. Doch so fühlte es sich kein bisschen an.
Wir krochen früh in unsere Betten und morgens früh wieder hinaus. Draußen war es kalt, nass und dunkel – frohe Weihnachten.
Am Weihnachtsmorgen sahen wir nichts außer grauen Himmel und leere Straßen. Mir kam es so vor, als ob wir uns still und heimlich aus dieser Gespensterstadt davon stehlen würden, in der wir tatsächlich nicht mehr als einen Menschen gesehen hatten. Aber die anderen Bewohner verrammelten sich vermutlich in ihren Häusern – bei dem anhaltenden Regen kein Wunder.
Im Auto beschlugen die Scheiben, draußen passierten wir überflutete Felder am Straßenrand. Wir hielten in Innisfail, um uns wie bereits in Cairns auf der Polizeiwache über die aktuelle Kondition des Highways zu informieren.
Dort erhielten wir die Auskunft, die Straße wäre gesperrt und Hunderte würden dort an der Straße warten. Die Polizistin riet uns, Essen für mehrere Tage mitzunehmen. Zum Abschied wünschte sie uns „viel Glück“, was aus dem Munde einer „offiziellen Auskunft“ eher beunruhigend als aufbauend wirkt.
Also kauften wir Brot und Müsliriegel sowie einen Regenschirm und machten uns auf den Weg.
Tatsächlich war die Straße aber nur an zwei kurzen Streckenabschnitten „gesperrt“. Während wir in einer Schlange von ungefähr 15 (statt 100) Autos warteten, von Polizisten dirigiert zu werden, waren wir schon ein wenig enttäuscht. Als wir nach ein paar Minuten (statt Tagen) die Straße passieren durften, waren maximal 10 bis 15 cm Wasser auf einer Länge von ca. 30 Metern. Das spritze zwar ordentlich , war ansonsten aber nicht weiter dramatisch. Da hatten wir mit mehr gerechnet.
An anderen Stellen, wo der Verkehr von der Polizei geregelt wurde, ragte das Wasser gerade mal bis an den Rand der Straße heran.
In Brisbane verfuhren wir uns ein ein-, zweimal, erreichten die Grenze zu New South Wales ohne weitere Probleme.
Ab jetzt konnten wir es etwas langsamer angehen lassen – aber das Wetter war uns immernoch nicht gut genug, um für längere Zeit zu bleiben, also fuhren wir weiter südwärts.
New South Wales' große Campingplätze sind zur Ferienzeit leider alles andere als Backpackerfreundlich und sehr teuer. Also suchten wir uns einen kleinen Campingplatz in einem Nationalpark und parkten nachts im Dunklen, wir konnten nur irgendwo das Meer rauschen hören. Am nächsten Morgen war es ungewöhnlich windig, als ich aus dem Auto kletterte. Kein Wunder, wir standen ungefähr 20 Meter von der Steilküste entfernt und vor unseren Füßen hoppelten ein paar Kängurus ganz friedlich übers Gras.
Nach zwei Übernachtungen zum Verschnaufen machten wir uns erneut auf den Weg, um eine billige Unterkunft für die nächste Nacht zu finden und fuhren in einen weiteren Nationalpark.
Dort fanden wir endlich ein kleines Paradies. Wir parkten auf einem kleinen Platz unter Palmen direkt hinter dem Strand. Abends lüfteten wir das Auto gründlich, dem die feuchte Luft nicht so gut bekommen war.
Am nächten Tag legten wir uns an den Strand und entspannten uns und lasen und badeten zum ersten Mal im Ozean.
Die nächsten vier Nächte verbrachten wir auf einem Platz mitten im Wald, der uns hervorragend gefiel, vorallem, weil wir nichts bezahlen mussten. Silvester machten wir mit Lagerfeuer und zur Feier des Tages gab es Kartoffeln und Bratwurst über dem Feuer zubereitet.
So sind wir entspannt ins neue Jahr gestartet und haben uns gefreut, vor dem schlimmen Wetter im Norden davongekommen zu sein.
Dienstag, 4. Januar 2011
Zwischen den Jahren, Kapitel 1
Die Wet Season hatte endgültig begonnen.
"Seht zu, dass ihr so schnell wie möglich Richtung Süden kommt, hier kann es zur Regenzeit richtig ungemütlich werden." warnte uns Tony. "Straßensperren, Überflutungen... das ganze Programm." Solche Nachrichten hatten wir aber schon früher gehört, ohne dass wir davon großartig etwas zu spüren bekamen, sodass ich angenommen hatte, es auch noch die nächsten zwei bis drei Wochen in Cairns auszuhalten, wie ursprünglich geplant.
Im Laufe des Tages jagten unser Chef Tony und Kollege Noel Gabriel mit Nachrichten über evakuierte Städte und Überflutungen aber immer mehr Angst ein, sodass am Nachmittag fest stand, Cairns am nächsten Tag zu verlassen und Richtung Süden aufzubrechen, solange die Straßen noch freigegeben waren.
Also verabschiedeten wir uns von Noel, Tony und Margaret, Tonys deutschstämmiger Frau, die ganz überrascht war, uns so früh gehen zu sehen. Kaum zu glauben, dass das jetzt wirklich unser letzter Arbeitstag in Cairns gewesen sein sollte.
Immerhin hatte wir sieben Wochen hier gearbeitet und besonders Margaret war uns dabei ans Herz gewachsen.
Genauso überrascht reagierte auch Marcel, ein deutscher Work and Traveller, der auf unserem Campingplatz wohnte. Eigentlich hatte er geplant, an Weihnachten mit uns zusammen eine Tour in den Regenwald und zum Cape Tribulation im Norden mit uns zu machen.
Ein bisschen traurig war er sicher auch, schließlich waren wir die letzten Überbleibsel der deutschen Dauercampergemeinde. Wir versprachen, ihn mit einer Abschiedsparty zu trösten.
Traurig waren wir selbst überhaupt nicht - viel eher aufgeregt, dass es endlich und so plötzlich wieder "On the Road" gehen sollte, vor allem angesichts der Tatsache, dass es durchaus ungewiss war, wie weit wir es schaffen würden. Vor uns lag das große Abenteuer.
Aber zuerst musste unser Aufenthalt in Cairns gebührend zu Ende gebracht werden, Dazu fuhren wir ein letztes Mal zu unserer pinkbeleuchteten Lieblingspizzeria und freuten uns über die Empfangsasiatin, die wie immer fragte, ob wir unseren Pizzaboden lieber "ßiiiick or ßiiiiin" haben wollten. Anschließend kauften wir einen großen Karton Bier im Spirituosenladen und setzten uns in die Camp-Küche.
Marcel schenkte uns zum Dank, dass wir ihm einen unserer Campingstühle hinterließen, eine Packung australischer Gummibärchen. Ein fairer Tausch.
Im Laufe des Abends setzten sich noch Niko und Eleonora, ein italienisches, spirituell angehauchtes Pärchen und der Australier Nathan, dessen deutsche Freundin gerade für mehrere Tage am Great Barrier Reef schnorcheln war, zu uns.
Die untergehende Sonne, der billige Wein, die Musik, die Joints und die fröhlichen Gesichter um uns herum, die gesamte Situation ließen uns entspannt, zufrieden und glücklich sein.
So saßen wir noch bis spät in die Nacht zusammen, redeten mehr über die Welt als über Gott, spielten das international bekannte Kartenspiel "Shithead", bauten Türme aus Bierdosen, bewunderten Steine und deren Bedeutung und freuten uns, dort zu sein.
[Fortsetzung folgt]
Freitag, 17. Dezember 2010
bright side of life



Unsere Kollgen sind von ihrem zweiwoechigen Vietnamtrip zurueck.
Zwei Wochen Vietnam hiess fuer die Beiden jeden Abend betrinken und tagsueber zum Zahnarzt, um sich neue Prothesen machen zu lassen. Zahnarztkosten sind hier in Australien naemlich sehr sehr teuer, sodass einige Australier inkl. unser Chef nur noch drei ihrer eigenen Zaehne im Mund haben. Also ab nach Vietnam und billige Prothesen machen lassen. Man goennt sich ja sonst nichts.
Zwei Wochen Vietnam hiess fuer uns: mehr Arbeitsstunden und das hat uns wirklich gefreut. Mehr Stunden ist gleich mehr Geld. Sehr gut aber auch sehr anstrengend.
Aber da die Beiden wieder da sind haben wir erstmal zwei Tage frei bekommen, auf die ich mich im Gegensatz zu sonst auch wirklich gefreut habe. Vorallem weil wir dieses Mal im Gegensatz zu sonst wirklich was unternommen haben.
Wir haben uns den Brian geschnappt, der sich gefreut hat, auch mal wieder rauszukommen, da er sonst nur unter der Plane steht und von Ameisen bekrabbelt wird, weil wir neuerdings Fahrraeder haben, um zur Arbeit zu kommen.
Also gings mit Brian und Gabi auf in Richtung Port Douglas. Das ist ein kleines suesses Kuestenstaedtchen ca 50 Km weiter noerdlich. Besonders die Strecke dort hin ist wunderbar, weil man direkt an der Kueste faehrt und ueber ca 30 km permanent das Wasser sehen kann. Das gibts an der ganzen Ostkueste wohl nur hier oben. Die Strecke kannten wir schon, als wir mit Noel, Tony, Margaret und Carrie zum Riff gefahren sind.
Jetzt konnten wir sie aber noch mal in voller Pracht und nicht nur vom Ruecksitz aus angucken. Und vorallem konnten wir halten, wo wir wollen. Das hat sich wirklich gelohnt, denn unterwegs gibt es jede Menge traumhafter Straende und kleine schnuckelige Ortschaften.
3 Monate in Australien und wir sehen unseren ersten riiiiiichtigen Strand. Einfach so in Wasser kann man da aber leider nicht, obwohl die Abkuehlung wirklich gut getan haette.
Temperaturen pendeln hier immer so um die 30 Grad.
Besonders im Norden der Ostkueste gibt es naemlich Stingers, dass sind wohl Quallen unterschiedlichster Groesse, die armen Schwimmern ganz boese Verbrennungen zufuegen koennen. Wagemutig wie wir sind, haben wir mit den Fuessen doch ein bisschen im Spuelsaum geplantscht, die Schwimmhallenartigen mit Netzen begrenzten und gesicherten Schwimmbereiche waren uns dann doch zu doof und zu klein.
Trotzdem wars toll und entspannend, mal wieder Sonne tanken, am Meer sein, ein winziges bisschen "On the Road again"...
Wie es mit "On the Road again" weitergeht, wissen wir auch schon. Wir arbeiten hier noch bis zum 9.Januar 2011 und dann gehts die Ostkueste runter. In Airlie Beach wollen wir fuer zwei Naechte an Bord gehen und einen Whitsunday-Segeltrip machen. Darauf freue ich mich sehr. Insgesamt haben wir einen Monat Zeit, um bis Brisbane zu kommen, von da fliege ich nach Sydney, verlasse meine Lieblingsjungs Brian und Gabi und besuche meine Lieblingseltern, yeah.
Dienstag, 30. November 2010
Sonntag, 21. November 2010
"Where is your swedish boyfriend?"
Manchmal denken die eher, dass wir ein schwedisches Paar sind, wer Gabriel schon mal gesehen hat, weiss auch warum.
Eine Tomatenpflueckkollegin war aber auch schon ein wenig enttaeuscht, als sie dann noch mal nachgehakt hat, ob ich wirklich komplett deutsch bin. Sie hatte so auf halb Griechisch oder Viertel Iran/Irak getippt. Meine Antwort, dass ich davon nicht wisse, hat sie dann noch mehr verwirrt, aber was solls.
In unseren Anfangstagen in Darwin war die Frage, ob Gabriel und ich ein Couple sind, immer eine der ersten Fragen. Wo kommt ihr her? Wie lange seid ihr hier? Seid ihr zusammen?
(Einmal war das auch gleich die erste Frage, der Hintergrund wurde im Laufe des Abends schnell klar. Matrosen und so. ehhhemmm.)
Mittlerweile wird hier immer einfach davon ausgegangen. Vermutlich hat sich unser gruppensoziales Verhalten schon so auf einander abgestimmt. Oder unsere "Streitereien", wer wann den Abwasch macht etc. klingen einfach zu verdaechtig.
Oder wenn ich mich darueber aufrege, weil der feine Herr ins Auto pupst. Gibts doch nicht.
Einmal, als ich ohne Gabriel aber mit ein paar Maedels tanzen war, wurde ich von Campingplatzbekanntschaften gleich gefragt, wo mein swedish boyfriend ist. Als ich dann erklaert habe, dass er weder swedish noch mein boyfriend ist, war die Ueberraschung gross. Und warum ist er bitte nicht mein Boyfriend? Na, weil er nicht schwedisch ist. Wurde als voellig logische Erklaerung akzeptiert.
